10 Das Auftreten 履 lǔ

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10 Das Auftreten 履 lǔ

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10. LÜ / DAS AUFTRETEN

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▬▬▬▬▬▬▬     Oben Kiën, das Schöpferische,

▬▬▬▬▬▬▬     der Himmel, Raritäten.

▬▬▬▬▬▬▬     Unten Dui, das Heitere,

▬▬▬   ▬▬▬     das Meer, der See.

▬▬▬▬▬▬▬     Der Große Mann ist auf der

▬▬▬▬▬▬▬     Suche nach dem richtigen Dreh.

 

Das Auftreten! Inmitten Drähten und Geräten und durchwachst von Qualitäten. Ob Bühne, Partys oder Feten, ob in großen oder kleinen Städten, an literaren Fakultäten, dort wo im Namen der Propheten Autoritäten sich vertreten, wegen der notwendigen Moneten beim Ausbau ihrer Diäten, zum wechseln der Tapeten, weit weg von allen Proleten oder I-Ching Interpreten, bedeutet, ohne zu verfemen, die richtige Art und Weise, sich zu benehmen. Oben ist der Himmel, das ist der Vater, unten ist der See; die jüngste Tochter und ihr Theater. Das zeigt den Unterschied von hoch und niedrig, wie er der Stille, dem richtigen Auftreten in der Gesellschaft zu Grunde liegt.

 

Auftreten heißt wörtlich: 'treten auf etwas'. Man tritt dabei Schritt für Schritt auf Schritt und Tritt auf Spaß. Das kleine >> Heitere << trifft auf das große >> Starke<<; das sich vor Lachen krümmt, wie nach dem Tritt auf eine Harke. Das Heitere wird quasi vom Starken emporgehoben, denn die Bewegungsrichtung beider Urzeichen ist nach oben. Dass das Starke auf das Schwache tritt, ist nicht nur etwa Unendliches, es ist vor allem etwas Selbstverständliches. Und zwar so selbstverständlich, dass, woher der Wind auch schwirrt, es im Buch der Wandlungen nicht besonders erwähnt wird.

Das Auftreten des Schwachen dem Starken gegenüber ist deshalb nicht gefährlich, weil es in Heiterkeit geschieht, ohne Anmaßung, sonst wäre alles schnell hinüber, aufdass das Starke nicht gereizt wird, sich alles regelgerecht vollzieht, und trotz einem drohendem Unheilmanifest, es sich so gutmütig gefallen lässt.

 

DAS URTEIL

 

Auftreten auf des Tigers Schwanz. Er beißt den

Menschen nicht. Gelingen trotz der Diskrepanz.

 

Die Lage ist eigentlich nicht nur langwierig, in Wirklichkeit ist die Lage schwierig. Stärkstes und Schwächstes ist nun unmittelbar beisammen, und leicht könnte einer den Andern da verdammen. Das Schwache geht so am besten, ohne zu erschlaffen hinter dem Starken her und macht sich mit ihm zu schaffen. Aber das Starke lässt es sich, auch balanciert das Heitere auf der Schneide, wohl gefallen und tut ihm nichts zu Leide, denn die Berührung ist heiter und nicht verletzend, mit anderen Worten: der Kontakt ist 'quasi ätzend'.

 

Die menschliche Lage ist, dass man es auf seinem Lebenspfad mit wilden, unzugänglichen Menschen zu tun hat. Man erreicht in diesem Fall seinen Zeck auf dieser Welt, wenn man sich in seinem Auftreten an die guten Sitten hält. Gute, angenehme Formen des Auftretens bringen auch reizbaren Menschen gegenüber Gelingen.

 

DAS BILD

 

Oben der Himmel, unten der See: das Bild des Auftretens seit

eh und je. So unterscheidet der Edle stets hoch und niedrig und festigt dadurch, auch ist die Lage widrig, den Sinn des Volks.

 

Himmel und See in Reih' und Glied zeigen  demgemäß zurzeit einen Höhenunterschied, der durch ihr Wesen, das man auch in Zahlen misst, in allererster Linie von selbst gekommen ist, und daherauch völlig unbeirrt durch keinerlei Neid eingetrübt wird. So muss es ja auch wie im wahren Leben in der Menschheit Höhenunterschiede geben. Eine allgemeine Gleichheit, das kriegt man sonst zu spüren, ist halt völlig unmöglich durchzuführen. Es handelt sich aber darum, dass man es rafft, dass die Rangunterschiede in der menschlichen Gesellschafft nicht wie in einem Sorgenlabyrinth völlig willkürlich und ungerecht sind. Dann ist nur der Klassenkampf und gehässiger Neid die unausbleibliche Folge und verdirbt diese 'Einheit'. Wenn dahingegen die äußeren Rangunterschiede wirklich einer inneren Berechtigung entsprechen, und eine innere Würdigkeit sowie ein innerer Friede den Maßstab für jeden äußeren Rang brechen, dann beruhigen sich die Menschen dabei, und die Gesellschaft kommt in Ordnung, weg vom reaktiven Brei. *

 

* Die Zahl ist das Wesen aller Dinge. (Pythagoras)